Aufbruch und Abschied

10. MAI 2016

ASV Steg Kiel

Die letzten zwei Monate seit der Rückkehr aus der Karibik waren voll auf eine Sache fokussiert, das Boot musste seetüchtig gemacht werden und der Innenausbau fertig gestellt werden. Anfangs waren wir voll motiviert und die Arbeiten gingen gut voran. So montierten wir einen Ankerspill und bauten eine Bugsektion zum Ankerkette um, lackierten die Bodenbretter und versiegelten die Bilge mit Epoxid Harz. Beim Innenausbau kamen wir oft an unsere Grenzen und grübelten teilweise Stunden an der Lösung eines Problems, glücklicherweise hatten wir oft Leute die uns mit guten Tipps weiterbrachten. Der Krantermin rückte immer näher, der Rumpf war wieder dicht. Nervös waren wir trotzdem wie noch nie bei einem Kranen. Was für ein Anblick als das Schiff mit schwarz gestrichenen Unterwasserschiff über unseren Köpfen schwebte und sich dann langsam in die Schwentine absenken. Wir sprangen an Deckel und schlugen das Groß und unser kleinstes Vorsegel an-die Motorverkabelung war noch nicht fertig und wir trauten uns ohne Fachkundigen Blick nicht den  alten Volvo Penta anzuschmeißen. Also Segel hoch und schön kreuzten wir bei leichten Winden in Richtung ASV Steg, an dem wir die nächsten Wochen liegen würden. Alles klappte ohne Probleme, stolz standen wir vor unserem Schiff das nun endlich in der Kieler Förderung schwamm. In den nächsten Wochen kümmerten wir uns um tausend kleine und weniger kleine Baustellen, bauten die Windselbststeueranlage und das Solarpanel an und Verkabelten das Schiff mit Stefan, ohne dessen Hilfe wir ganz schön hilflos dagestanden hätten, komplett neu. Immer öfter wurde gefragt wann wir denn  losfahren würde und wann die Abschiedsparty sei, ich versuchte das Thema möglichst zu umgehen und aufzuschieben. Erst als absehbar war, wann wir denn die gröbsten Arbeiten fertig haben würden legten wir einen Termin fest, den 10. Mai. Lutz kam davor nochmal vorbei und schaute sich den alten Motor an, glücklicherweise gab es nichts gravierendes zu beanstanden. Außerdem fuhren wir noch an einem der letzten Tage nach Hamburg um von Susann&Kay eine Rettumgsinsel abzuholen, die sie uns für die Tour zu Verfügung stellten. Ich hätte nie gedacht wie viele Arbeiten man bis zur letzten Sekunde am  Schiff machen kann, selbst am Tag nach der Abschiedsparty, also dem Tag an dem wir die Leinen loswerden wollten gab es noch tausend Dinge zu tun. Ein Schiff ist nie fertig, also hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man bastelt so lange weiter bis nach Monaten der Zustand der Vollendung (zumindest bis zum ersten Schaden auf See) möglichst perfektionistisch  erreicht ist, oder man akzeptiert den momentanen Zustand des Schiffes als den für den aktuellen Zeitpunkt bestmöglichen und fährt los. Selbstverständlich müssen alle sicherheitsrelevanten Teile wie Lenzpumpe, Navigationsinstrumente, Motor und Segelgardarobe funktionieren, hier wollten wir keine Kompromisse eingehen. Aber richtig fertig waren wir trotzdem nicht als wir losfuhren. Nachdem wir am 10. Mai nun endlich die letzten Kisten mit Essen im Bauch des Schiffes verstaut hatten wurden wir von Freunden, die die Leinen loswarfen verabschiedet. Ich habe in diesem Augenblick gar nicht wirklich realisiert, dass nun echt losgeht. Der Abschied hatte was befreiendes, das Loskommen war beflügelnd. Wäre der Mast noch in der Kieler Förde von oben gekommen, wir wären unter Notrigg weitergefahren nur um nicht umdrehen zu müssen. Das Segelsetzen funktionierte ohne Probleme, trotzdem fühlte sich alles irgendwie neu an. Ich war gespannt wie das Segeln mit Theresa funktionieren würde, die außer einen Unisegelkurs und ein, zwei Tageskurs mit mir noch keine Segelerfahrung hatte. „Und dann gleich nach Island?“ wurden wir häufig gefragt. Oft habe ich geantwortet, dass wir ja gar nicht „nach Island“ segeln. Wir segeln nach Kopenhagen und zehn anderen dänischen Häfen. Nach Götheburg und die schwedische Westküste hoch. Folgen der Küste Richtung Südnorwegen und Kristianssand, dann weiter gen Norden nach Bergen und so weiter. Und ja, irgendwann auch Island natürlich. Ich habe oft festgestellt, dass es nicht so wichtig ist im Leben was man kann, vielmehr zählt wie schnell man lernt. Wir haben reichlich Zeit zu lernen und uns einzugrooven bis wir in Island sind.

 

 

 

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